Samstag, 18. Juni 2016

Teheran - Shopping und Abschied

Meine letzten beiden Tage in Teheran sind dem Chillen & Shoppen gewidmet. Im gleichen Hostel wie bei meiner Ankunft eingebucht, werde ich herzlichst mit Umarmung begrüßt. Mori erinnert sich an mich und freut sich mich wieder da zu haben. es hat sich eine Menge getan seit dem Umzug vor drei Wochen, das zweite Klo ist einsatzbereit, was die Lage am frühen Morgen erheblich entschärft, und auch die Küche ist jetzt eingerichtet und nutzbar. Keine Eier müssen mehr in den Wasserkocher fürs Frühstück und der Kebabi nebenan hat sich inzwischen auch auf die ganzen komischen Touristen eingestellt, die da jetzt jeden Abend über ihn herfallen und in unverständlichem Gebrabbel verlangen gefüttert zu werden.



Ich lerne Duden kennen, der gerade für seine Afrikareise übt, noch ohne Freundin, die steckt noch mitten in irgendwelchen Abschlussklausuren und soll wohl in 3-4 Wochen in Deutschland eingesammelt werden, und dann geht´s los auf den schwarzen Kontinent. Wer Lust hat bei Duden und Gabriele mitzulesen, auch dort wird die nächsten Monate wohl kräftig geblogt, dem sei folgender Link anheim gegeben: https://afrikareisende2016.wordpress.com/
Diesmal bin ich der, der im Hostel die Tipps für die, die gerade starten, verteilt. Und so spiele ich Infocounter für Deutsche, Chinesen und Russen und Mori amüsiert sich königlich.

Am Samstag geht´s denn zum Shoppen in den Norden Teherans. Direkt an der Metrostation Tajrish gibt es den gleichnamigen Bazar, praktisch zwischen der Metrostation und dem Schrein, den ich neulich nicht betreten durfte. Hier gibt es viel Kunsthandwerk, auch industriell gefertigtes ;)  und wenige Meter weiter auch erstklassige Shops, die tatsächlich ausschließlich Handarbeiten verkaufen.  Ein paar Pralinen von der Konditorei dürfen auch nicht fehlen und die leckeren Datteln aus der Gegend um Bandar Abas, die Dattelpalmen stehen fast im Salzwasser und so haben die Früchte ein einzigartiges, kräftiges Aroma.
 
Es bleibt ein kleines logistisches Problem, ich habe nur meinen 35 Liter Rucksack und er ist mit meinen Reiseklamotten voll. Normalerweise rennen ständig Straßenhändler durch die Metro, dabei auch welche die kleine Reisetaschen für ebenso kleines Geld anbieten, aber gerade heute wird hier alles AUSSER Reisetaschen verkauft. Also erst mal zurück zum Hostel und Mori fragen, ob nicht noch irgendwo eine liegengebliebene Reisetasche in der Ecke.....  Leider nicht, der Müll wurde neulich beim Umzug aussortiert.Aber am Imam Hosein Platz soll es Taschenverkäufer geben.

Also erneut bei 35°C raus auf die Straße, 20 Minuten zur Metro latschen, zwei Stationen fahren und ab an die Erdoberfläche. Hm, keine Händler hier, mal sehen, da hinten ist der Platz, mal da lang und einmal rund um den Platz marschiert. In den kleinen Seitengassen und Gängen, die vom Platz aus in die umliegenden Wohnblocks führen, sind Händler ohne Ende, auch mit Rucksäcken und Taschen. Für stolze 1,50€ erstehe ich ein grundhäßliches, schwarzes Plastikexemplar der Gattung "Einwegreisetasche", das mir in eine Plastiktüte verpackt feierlich überreicht wird.

Unpünktlich wie die Iranische Eisenbahn taucht mein bestellter Taxifahrer gegen 1:00 Uhr morgens im Hostel auf, um 3:00 geht mein Flug über Istanbul nach Hamburg zurück. Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, dass es jetzt zurück nach Hause gehen soll, da brausen wir auch schon zu dröhnend lauter Persischer Schlagermusik über die Autobahn in Richtung Flughafen. Ich werde wehmütig und sentimental, wie immer auf dem Weg zum Flug nach Hause.

Damit verlasse ich ale Leser für dieses Mal, weiter geht es Ende August, wenn ich mit meinem Sohn für eine knappe Woche nach Siem Reap in Kambodscha fliege. Wir werden dort die Urwaldtempel erforschen, schwimmende Dörfer besichtigen, hoffentlich Elefanten sehen, einen kambodschanischen Kochkurs mitmachen und was sonst noch alles anliegt in Kambodscha. Wenn Ihr uns begleiten wollt, rechts in der Menüleiste findet ihr die Links zu allen vergangenen und bereuits konkret geplanten Reisen, bzw. den dazugehörigen Blogs.

Machts gut, es war schön Euch dabei zu haben. Falls Ihr noch Fragen habt oder selber eine Reise in den Iran plant, nutzt einfach die Kommentarfunktion hier im Blog um Fragen zu stellen. Ich erhalte dann eine kurze Emailnachricht und werde Euch so schnell wie möglich antworten.


Salaam!

Donnerstag, 9. Juni 2016

Shiraz – Nasr-ol Molk Moschee

Mein letzter Tag in Shiraz, nachher geht es in den Flieger nach Teheran, mein erster Inlandsflug im Iran, ich bin ein bisschen aufgeregt. Keine Ahnung wie englisch die Ausschilderungen und englischsprachig die Mitarbeiter der Fluggesellschaft hjier sein werden. Die Rezeption im Hostel meint das sei alles kein Problem, das Ganze läuft ticketlos, wie in Europa, ich brauche nur meinen Reisepass zum Checkin vorzulegen. Na denn…

Vorher geht es aber noch auf ein bis zwei Stündchen in die Nasr-ol Molk Moschee, knapp gegenüber meiner Unterbringung, in einer kleinen Gassee gelegen. Der Eingang ist erst einmal unscheinbar, kein wesentlicher Unterschied zu den hunderten Moscheeeingängen an denen ich inzwischen achtlos vorbeilatsche. In fast jeder Straße ist einer, manchmal hübsch, manchmal weniger hübsch und manchmal gar nicht verziert.

Der Innenhof mit seinen beiden reich mit bemalten Fliesen verzierten Iwanen hingegen macht bereits einmal das erste Fass des Tages auf. Nicht gerade riesig, fast intim, und doch mit einem großen Wasserbecken in der Mitte großzügig wirkend. Die Iwane spiegeln sich im blumenumstandenen Becken, aus dem Mitarbeiter Wasser für die Klimaanlagen schöpfen. Trotz einiger Touristen hier eine sehr friedliche Atmosphäre. Viele sitzen einfach nur im Hof herum und lassen die Anlage auf sich wirken.

Gleich rechts von Eingang, wenn man auf den Hof kommt, geht es in die Wintergebetshalle, den Shabestan, auf den ich mich besonders freue. Seine mit buntem Glas eingelegten Flügeltüren zum Hof sind nach außen mit wehenden weißen Stoffbahnen verhängt, dami er sich nicht so aufheizt. Trotzdem reicht die Lichteinstrahlung fpür schöne Reflexe im Raum, auf Teppichen und Säulen.

Die Säulen sind wieder mit feinen Akanthuskapitellen verziert, offensichtlich eine Spezialität hier in Shiraz, die hatten wir ja schon in der Vakil Moschee. Im Shabestan wird gerade gebetet, was eine besondere Atmosphäre schafft, klar halte ich mich zurück, fotografiert wird trotzdem. Das ist auch ok so, ich habe mich vorher versichert. Der Shabestan funkelt nur so vor Farbenpracht. Die Wände, Decken, Teppiche, alle farbenfroh und zusätzlich durch die Fenster in buntes Licht gehüllt. Dazwischen die ockerfarbenen aber fein ziselierten Säulen. Prächtig!

Ich kann mich bestimmt eine ganze Stunde nicht losreißen von diesem Raum, setze mich erst mal in Ruhe hin und lasse das Ganze auf mich wirken. Als ich mich wieder in Bewegung setze sind auch die letzten anderen Touristen verschwunden und ich erkunde weiter den Hof und seine Nebenräume.

Im östlichen Gebetssaaal, in dem sich eine kleine Ausstellung befindet, die sich mir nicht erschließt, es ist leider bei maximal drei Worten Farsi geblieben bei mir in den drei Wochen, geht es hinab zu einer schönen unterirdischen Brunnenanlage, die ursprünglich von einem Qanat gespeist wurde. Sie besitzt auch noch den typischen Tunnelgang in dem die Ochsen gerieben wurden um das Wasser im Eimer, mit einem Seil über eine Rolle gezogen, hochzuziehen.

Vom nördlichen Iwan aus geht es über einen verträumten Seitenhof noch zu einem kleinen Schrein ab, der ebenfalls mit Buntglas in den Fenstern geschmückt ist, Hier zieren feine Fresken mit Vogelmotiven die Wände und der Eingang ist mit Fliesenmosaiken geschmückt. Leider kann ich hier nur sehr begrenzt fotografieren, den das ist offiziell im Schrein verboten und ich bin nicht lange alleine hier.

Von der Decke hängt eine Eisenkette mit der es eine gruselige Bewandnis hat. Wurden früher Bürger der Hexerei bzw. der Zusammenarbeit mit dem Bösen verdächtigt, wurden sie hier aufgehängt. Konnten sie sich befreien galten sie als schuldig und wurden gehenkt, starben sie qualvoll am Strang, war ihre Unschuld bewiesen und sie erhielten immerhin ein anständiges Begräbnis. Das hört sich für mich exakt nach dem an, wie bei uns in Europa im Mittelalter mit Hexen umgegangen wurde.

Im Nordiwan ergeben sich noch einige schöne Fotomotive und dann geht es auch schon zurück ins Hostel zum Sachen packen und fertig machen. Der Flug wird nochmal verschoben, werde ich informiert, es wird erst um 15:00 Uhr losgehen, so bleibt mir Zeit für diesen kurzen Bericht.

Dienstag, 7. Juni 2016

Shiraz - Pasargadae - Naqsh-e Rostam - Persepolis

Heute mal wieder früh aus dem Bett, ich war der erste am Frühstücksbuffet und habe sogar noch Rührei abbekommen. Trotz Ramadan, nicht schlecht. Mein Fahrer, mit dem ich heute nach Pasargadae, Naqsh-e Rostam und Persepolis fahre, saß auch schon am Tisch. Ein netter Typ, der mir in Yazd schonmal über den Weg gelaufen ist, da hatte er gerade den Transfer für eine kleine Gruppe von Shiraz nach Yazd abgewickelt und die in meinem dortigen Hostel, dem Silk Road, abgeliefert.

Ich halte bei solchen Besichtigungstouren, die halt ohne Auto nicht oder nur sehr schwer machbar sind, die Kosten dadurch gering, dass ich gezielt KEINEN Guide anfrage, sondern lediglich einen Taxiservice. Ich habe meinen Reiseführer als PDF auf dem Tablett, lese mir das Ganze am Abend vorher immer nochmal durch, um die Hintergründe halbwegs im Kopf zu haben, und vor Ort ist hier bislang eigentlich alles recht gut beschildert, soweit das überhaupt notwendig ist. So liegen die Kosten für solche Trips dann, je nach Dauer, irgendwo zwischen 50 und 60 Euro, zuzüglich Eintrittsgelder, was zu verkraften ist.

Der heutige Fahrer konnte übrigens perfekt Englisch, was die doch recht weiten Fahrten angenehm machte. Wir quatschten über Gott, bzw. Allah und die Welt, Kinder, Erziehung, die Frage inwieweit die Revolution im Iran ursprünglich eigentlich überhaupt eine islamische war oder ob sie nur anschließend gekapert wurde, und, und, und…. Keine Gespräche über Deutsche Autos und Fußball, davon habe ich inzwischen echt die Nase voll.

Unser erster Stopp war Pasargadae, ca. 125km von Shiraz, auf fast 2000 Metern Höhe wunderbar auf einem Plateau zwischen den Bergen gelegen. Hier besiegten die Perser ca. 500 vor Christus die Meder und errichteten daraufhin hier ihre Verwaltungshauptstadt. Auf dieser Ebene kann man sich diese riesige Schlacht gut vorstellen, wie sich die Heer gegenüber stehen, in Formation, aufeinander zu reiten und laufen und die Heerführer von den umliegenden Hügeln aus versuchen die Übersicht zu bewahren und reitende Boten mit ihre taktischen Anweisungen ins Getümmel schicken. Die Taktik war wohl mit den Persern.

Und der Ort ist ebenfalls einfach wunderschön, eine große fruchtbare Ebene mit einem schönen Blick rundum, daher sicher eine gute Wahl für eine Residenz und das Verwaltungszentrum eines Weltreiches, das immerhin von der Türkei/Griechenland bis nach Indien und nach China hinein reichte. Aufgrund der entsprechenden Größe der Anlage, liegen die heute noch erhaltenen Gebiete recht weit auseinander und es empfiehlt sich auf dem umzäunten Gelände mit dem Auto unterwegs zu sein, in dem man dann trotz Ramadan auch hin und wieder mal versteckt einen schnellen Schluck aus der Wasserflasche nehmen kann.

Zuerst kommt man an das Kyrosgrab, das mit seinem, für diese Gegend sehr ungewöhnlichen, Spitzdach entfernt an eine Europäisches Haus erinnert. Das Grabhaus steht auf einem Treppenpodest, auf dem sich heute die Vögel tummeln und auf die Brosamen der Touristen warten. Ca. 150 Meter weiter liegt eine verfallene Karwanserei wesentlich neueren Datums, die nur deshalb ein wenig interessant ist, da für sie Steine des ehemaligen Palastes von Kyros verwendet wurden. Die Karawanserei ist so verfallen, dass man sie nicht betreten darf.

Weiter geht es mit dem Auto, bei fast 40°C Hitze eine gute Idee, wegen des Fahrtwindes, zu einer Abzweigung, von der aus es zu Fuß weiter geht. Ich entscheide mich zuerst die Reste einer Audienzhalle sowie, etwas weiter gelegen, eines Torgebäudes zu besichtigen, da mir der Residenzpalast mit mit zwei Touristen, die sich dort herumtreiben, recht überlaufen vorkommt. So etwas ist eben alles sehr relativ. Und wenn man völlig außerhalb der Saison, weil es den meisten bereits zu heiß ist, und dazu während des Ramadans, wo der durchschnittliche Mitteleuropäer ja befürchtet nach zwei Stunden Hungers zu sterben, unterwegs ist, ist ZWEI eben eine ganze Menge. ;)

Von der Audienzhalle liegen erst einmal ziemlich viele Säulen nebeneinander herum, Reste der Eingangsbereiche weisen, sehr verwittert, Reliefs von mythologischen Stier- und Fischmenschen auf. Und eine der Ecksäulen, die man gut rekonstruieren konnte, hat noch eine gut erhaltenen Schrifttafel, auf der angeblich Kyros drauf hinweist, dass er aus dem Geschlecht der Archäminiden stammt und zum Beleg ein paar Vorfahren aufzählt. Irgendwie muss man ja versuchen seine Herrschaft zu rechtfertigen.

Das noch weiter abgelegene Torhaus, also der ehemalige Zugang zu dem ganzen Komplex, ist so ab vom Pfad, dass der Wächter gerade mal ein Nickerchen macht unter seinem Sonnenschutz, kommt ja eh keiner, nur so ein bekloppter Deutscher, der irgendwo gelesen hat, dass auf der einzigen erhaltenen Säule ein Fabelwesen mit einer Ägyptischen Krone zu sehen sein soll. Naja, man kann er erahnen, wenn man vorher davon weiß. Mehr eigentlich nicht.

Zurück in Richtung Straße entere ich nun das Gebiet des inzwischen nicht mehr so überlaufenen Residenz Palastes. Da treiben sich nur noch eine Archäologin aus Europa mit zwei Iranischen Studentinnen herum, die nachdrücklich erklärt warum man seine Buddeleien im Altertum nur Schicht für Schicht vornehmen soll, zwischendurch immer abwarten und dokumentieren soll. Witzig, irgendwie. Von dem Residenzpalast ist der Grundriss noch gut zu erkennen, auch hier sind wieder die unteren Bereiche zwei ehemaliger Eingänge zu erkennen, auf denen noch die unteren Hälften der ehemals im Durchgang befindlichen Reliefs erkennbar sind.

Vor dem Residenzpalast liegen die ältesten belegten Reste eines klassischen persischen Gartens. Die Fundamente der Wasserkanäle, die das Gartengebiet in vier Teile teilten, sind noch gut zu erkennen. Sie wurden wohl von einem ehemaligen Flusslauf im Nordwesten des Geländes aus gespeist, denke ich mir mal so…..

Mit dem Auto geht es weiter zum Zendan-e Suleiman Gebäude, von dem die einen Wissenschaftler meinen es handele um die Grablege den Sohnes von Kyros dem Großen, die anderen zucken einfach nur die Schultern, gestehen eine gewisse Ähnlichkeit mit Naqsh-e Rostam ein, wollen sich aber schon gar nicht darauf festlegen ob hier jemand, und wenn ja wer, begraben worden sei. Eindrucksvoll ist das Ganze, weil ein Teil der Fassade tatsächlich ca. 8 Meter hoch rekonstruiert werden konnte, auch wenn das Teil nun auf der Rückseite von einem ziemlich hässlichen, weiß lackierten Metallgerüst gehalten wird.

Letzte Station in Pasargadae ist der „Unvollendete Palast“, von dem eigentlich auch keiner eine Ahnung hat ob es überhaupt mal einer werden sollte, Takht-e Madar-e Soleiman. Es ist auf alle Fälle eine beeindruckend große Plattform, die an einen natürlich Hügel angeflickt wurde, von der aus man einen schönen Blick auf die ganze Ebene hat. Ob und wenn ja was da mal drauf gebaut werden sollte ist wohl mehr Rätselraten als alles andere. Im Gedächtnis bleiben von Pasargadae das Kyrosgrab und unbestimmbare, aber schöne Ruinen in einer herrlichen Landschaft, die mit ihren umgebenden Hügeln reichlich Fotoperspektiven bietet.

Nach 45 Minuten Fahrt erreichen wir nun Naqsh-e Rostam, dass für mich trotz allen Lesens und aller Bilder im Voraus eine totale Überraschung ist. Es ist einfach die schiere Größe der Anlage, die einem den Atem verschlägt. Vier gewaltige Grabanlagen mit Reliefs sind hier in eine senkrechte Felswand gekloppt worden und unter und zwischen den Grabreliefs befinden sich weitere Reliefs mit Schlacht- und Krönungsszenen.

Von rechts nach links handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Gräber von Xerxes I, der erfolgreich die Griechen bekriegte, Darius I, der das Persische Reich von der Türkei bis nach Ägypten ausdehnte und hielt, Ataxerxes I, der das Griechenland wieder verlor und Darius II, der Ägypten seine Autonomie wiedergeben musste. Zwar sind die Gräber alle aus der archäminidischen Zeit, die darunter und dazwischen liegenden Felsreliefs jedoch sind jünger, aus Sassanidischer Zeit, so um die 250 nach Christus. Da war diese Felsstätte wohl schon legendär im inzwischen untergegangenen Reich und an die Berühmtheit der hier Bestatteten sollte angeknüpft, bzw. sich auf diese berufen werden um den eigenen Herrschaftsanspruch zu unterstreichen.

Ebenfalls auf dem Gelände steht noch ein hübschen Häuschen/Tempel, von dem bis vor Kurzen annahm es handele sich um einen Zarathustrischen Feuertempel, heute aber eher annimmt es sei ein altes Ossuarium, also ein Gebeinhaus in dem die Knochen der Toten aufbewahrt werden. Dieses Ossuarium, wenn es denn eines war, hatte eine Besonderheit. Und zwar lies sich die einmal geschlossene Steintüre nicht mehr öffnen, eine Art Riegelmechanismus rastete dann ein. Da werden ja alle Indiana Jones Phantasien in mir geweckt!

Übrigens waren auch die Archäminiden mit ihren Grabanlagen hier nicht die ersten, die die uralte Kultstätte nutzen. Unter den Reliefs der Grabanlagen sind an einer Stelle Reste noch viel älterer, elamischer Reliefs zu identifizieren. Damit sind wir dann schon fast 4000 Jahre zurück in der Geschichte unterwegs. Die Elamer wuselten in dieser Gegend so ca. 1700 vor Christus herum. Zu erkennen sind sie angeblich an ihren typischen Gewändern und einer speziellen Körperhaltung.

So langsam fing mein Magen echt an zu knurren, es war inzwischen gut 13:30 Uhr, und mein Fahrer fragte, ob ich denn etwas essen wolle. Ich dachte zuerst er will mich nur verarschen aber nein. Zum Einen müssen Reisende auch im Ramadan nicht fasten, zum Anderen gilt das eh nur für Muslime und zum Weiteren gibt es daher in der Nähe touristischer Sehenswürdigkeiten extra Restaurants mit staatlichen Ausnahmegenehmigungen.

Das Angebot nahm ich natürlich gerne an und wir saßen an einem riesigen Springbrunnen inmitten eines wilden Pflanzengewusels und labten uns an einem sehr leckeren Aubergineneintopf mit Reis, dazu Salat mit Joghurtdressing und leckeres Lemonbier. Mein Fahrer durfte natürlich mitessen, er gilt ja auch als Reisender, und lies es sich ebenfalls gut gehen. Später kam noch eine kleine Deutsche Reisegruppe, von dem Anbieter hatte ich bereits im Internet gelesen. Die bieten extra Touren im Ramadan an, da es dann überall hübsch leer ist und man sich nicht gegenseitig auf die Füße tritt.

Gestärkt ging es nun weiter zum Höhepunkt des Tages, nach Persepolis, der Repräsentationsstadt der Archäminiden. Diese gesamte Anlage war einzig und allein zur Selbstdarstellung, zur Darstellung der unglaublichen Macht der Archäminiden, deren unmittelbares Herrschaftsgebiet von Ägypten bis zum heutigen Pakistan reichte, gedacht. Hier wurden, besonders zum Persischen Neujahrfest, aus allen Teilen des Reiches Delegationen empfangen und deren Huldigungen und natürlich auch reichhaltigen Gaben und Geschenke an den Gott-Kaiser entgegengenommen.

330 vor Christus hat dann wohl Alexander der Große auf seinen Eroberungszügen durch das persische Weltreich diesen unvorstellbaren Prunk abgefackelt. Mehrere Geschichtsschreiber überliefern dies und es finden sich tatsächlich bis auf den heutigen Tag Brandspuren auf dem ganzen, riesigen Gelände.

Über eine riesige Freitreppe betritt man das bis zu 14 Meter hohe Plateau auf dem die ganze Anlage errichtet worden ist. Man steht dann vor dem „Tor aller Länder“, das mit 7 Meter hohen Stierfiguren und Fabelwesen mit zylinderartigen Kronen verziert ist. Ist, denn diese gigantischen ¾ Reliefs sind immer noch erhalten, zum Teil sogar sehr gut.

Verlässt man das Tor nach Süden, steht man vor der Norseite des Apadana-Palastes, der auf einem 2,5 Meter hohen Sockel steht und selber wiederrum gut 100x100 Meter misst. Die 2,5 Meter Höhenunterschied überwindet man auf einer Freitreppe, auf der Ostseite des Palastes ist noch so eine Freitreppe. Im mittleren Feld der Reliefs, die die Freitreppen schmücken, befanden sich ursprünglich Reliefs die Darius I mit seinem Sohn Xerxes zeigen. Davon habe ich Euch eines schon im Nationalmuseum in Teheran gezeigt, das andere befindet sich in den Ruinen der ehemaligen Schatzkammern hier vor Ort in Persepolis. Heute sind an den Stellen Reliefs mit jeweils acht Palastwachen angebracht, die wurden wohl schon von den alten Archäminiden selber irgendwann ausgetauscht.

Diese Mittelreliefs sind jeweils von der Darstellung eines Stieres der einen Löwen angreift eingefasst und umgeben von der Darstellung aller Völker des Reiches, wie sie dem Kaiser Opfergaben entgegenbringen. Das verblüffende ist der unheimlich gute Erhaltungszustand dieser ganzen Reliefs. In der trockenen Luft hier hat sich das Ganze wohl extrem gut gehalten. Oft liest man ja solche Dinge in den Beschreibungen, kann das aber selber alles kaum erkennen. Hier kann man sich die Beschreibungen sparen, alles ist sehr deutlich erkennbar.

Schatzhäuser, Privatpaläste etc. pp. schließen sich rundherum an. Lasst Euch einfach verzaubern von den Bildern oder kommt selber her und schaut es Euch an. Es ist einfach unglaublich!